BRUNO

BILD  DEKRA Hochschule für Medien
Rougher Sound, schnelle Schnitte, die immer folgende Handkamera. Karl Golden spielt mit dem „Spirit of a first film“ in Form wie Inhalt. Dabei lässt er die allzeit beliebte Genrediskussion hinter ganz neuen Fragestellungen rund um festgefahrene Konventionen innerhalb der Filmbranche in den Hintergrund treten.

„You need a story to tell“ – Eine klare Ansage, die Golden einem jeden Filmemacher beinahe herausfordernd mit auf den Weg geben möchte. Eine Aussage, die seinen Film Bruno zu tragen scheint. Erzählt wird die Geschichte von Daniel, der mit seinem Hund Bruno in einer kleinen Garage direkt neben den Bahngleisen der Londoner Großstadt lebt. Sie teilen ihren Schlafplatz und das Essen, ihre Spaziergänge und nächtlichen Streifzüge. Der obdachlose Daniel kehrt dabei immer wieder an einen nahegelegenen Spielplatz zurück, um diesen von Müll und Vandalismus zu befreien. Bis er eines Nachts auf die Verursacher trifft und deren Zerstörungswut, Daniel ins Krankenhaus befördert – ohne Bruno. Es beginnt eine Suche, die er nicht alleine unternehmen soll. Der 7-jährige Izzy ist von zu Hause weg gelaufen und von nun an für die Dauer eines Abenteuers an Daniels Seite.

Karl Golden erzählt seine Geschichte ohne viele Worte. Die Komposition aus dem 8 Jahre jungen Newcomer Woody Norman (Izzy) und Diarmaid Murtagh (Daniel), der bereits in der Erfolgsserie Vikings zu sehen war, trägt die dramatische Erzählung beinahe von selbst. Ein Zusammenspiel, dessen stille Momente den Zuschauer voll Unbehagen zurück lassen und ihn dennoch ermutigen, diese auszuhalten. Ein Zusammenspiel, dessen komödiantische Augenblicke nach keiner Inszenierung suchen, sondern ihren Platz ganz unspektakulär und alltäglich gefunden zu haben scheinen.

Es ist vor allen Dingen die Perspektive, die den Zuschauer kaum aus dem Abenteuer der Protagonisten entlässt. Golden ist ihnen weniger auf den Fersen als vielmehr stiller Begleiter in einer tobenden Stadt. „London is an aggressive city – it is always in your face.“ Damit generiert der irische Filmemacher und Drehbuchautor ein Bild, das er auf seinen Film übertragen hat. Die Kälte Londons in einem grauen November lässt den Betrachter frieren während der immer weiter auftauende Daniel für die nötige Wärme auf einer Länge von 120 Minuten sorgt. Dabei operiert der Film mit professionellen Mitteln in Technik wie Cast und stellt vor allem in letzterem die Frage nach der Rechtfertigung der immer gleichen Gesichter in Warner Produktionen und Co. Die Frage nach der Apologie eines Einheitsbreies, der die fortwährende Daseinsberechtigung in den großen Kinosälen dieser Welt genießt, während Filme, die eine Geschichte zu erzählen haben in den Programmkinos einer jeden Stadt im Sande verlaufen.

Das Verwischen der Grenzen zwischen experimentell anmutendem Underground Kino, dem Spirit eines Studentenfilms und professioneller Arbeit kann eine Melange hervorbringen, die neue Maßstäbe im Film setzt, so sich der Zuschauer findet, dem die Stille eines Momentes und die Tiefe eines Gedankens nicht zu unspektakulär scheinen.

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